Im Hintergrund: Pfirsichblüte

Vision

1. Biologisch-Dynamisches Wirtschaften

Wichtigstes Ziel ist die Nahrungsqualität. Die Früchte, die wir ernten, sollen den Menschen umfassend ernähren. Innere und äußere Gesundheit des Menschen hängen entscheidend davon ab. Der Ausgangspunkt dafür ist einfach wie fundamental: die gesunde Pflanze.

Alle landwirtschaftlichen Überlegungen für Züchtung, Düngung und Betriebskreisläufe nehmen hier ihren Ausgangspunkt. Aus diesem Grund brauchen wir biologische Vielfalt und stabile Ökosysteme, müssen wir uns um eigenes Saatgut, alte und seltene Kulturpflanzen, sowie ihre wilden Verwandten bemühen.


2. Biologisch-Dynamischer Obstbau

Direktsaat und große Bäume: Die gesunde Pflanze ist in höherem Maße autonom. Sie erschließt sich mit den Wurzeln aktiv die nötigen Potenziale im Boden. Entscheidend dabei ist eine schnelle, störungsfreie Wurzelbildung.

Das wird durch die heutzutage völlig unübliche Direktsaat erreicht. Die Bäume werden am Endstandort ausgesät und veredelt. Dieses Verfahren dauert 3 Jahre länger als die normale Pflanzung. Durch die ungestörte Ausbildung der Pfahlwurzel wächst ein sehr standfester Baum heran, der optimale Voraussetzungen hat, sich bei minimaler Pflege zu einem starken, gesunden Baum zu entwickeln. Dabei erschließt sich die Pflanze Bodenschichten, die für einen ausgewogenen Mineralhaushalt wichtig sind. Bei unseren modernen Plantagenäpfeln ist der Borgehalt zum Beispiel extrem niedrig, weil die seit den 50er Jahren üblich gewordenen schwachen Unterlagen die tieferen Bodenschichten nicht erreichen, abgesehen davon, daß sie auch trockenheitsempfindlich sind. Außerdem liegt es auf der Hand, daß große Bäume ein entsprechend weitreichendes Wurzelsystem entwickeln. Bei der Direktsaat wird entsprechend auf starkwachsende Unterlagen selektiert, auf denen sich später ein Hochstamm oder vergleichbarer großer Baum erziehen läßt.

Fungizidfreier Anbau: Die gesunde Pflanze hat das Vermögen, mit wechselnden Umwelteinflüssen umzugehen. Die im modernen biologischen Obstbau erforderlichen Spritzungen mit Fungiziden können zu 100% vermieden werden, wenn man sich auf die entsprechend widerstandsfähigen Sorten konzentriert.

Diese Sorten sind verfügbar. Wenn Verbraucher diesen Hintergrund kennen, sind sie gerne bereit, sich auf den ungewohnten Anblick und Geschmack dieser ”neuen”, größtenteils alten Sorten einzulassen. Das ist sowohl in der klassischen Vermarktung und in besonderem Maße natürlich in den Projekten der Solidarischen Landwirtschaft möglich. Die Apfelsternwarte arbeitet schon heute auf dieser Grundlage. Durch den Wegfall der Fungizide läßt sich der obstbauliche Aufwand deutlich reduzieren. Den Hauptgewinn davon hat die Bodengesundheit und auf diesem Wege die Nahrungsqualität: denn die Fungizide stören wichtige Abbauprozesse im Boden. Daß wir überhaupt Kenntnisse haben über die Anbaueignung unserer Sorten, ist den Menschen zu verdanken, die sich in der Vergangenheit um die Erhaltung der alten Sorten verdient gemacht haben. Um diese Erkenntnisse weiterzutragen und auszubauen ist der Aufbau einer eigenen Sortensammlung und deren Anschluß an das Erhalternetzwerk geplant.

Wildobst und Exoten: Nicht in allen Bereichen sind Ressourcen an widerstandsfähigen Sorten verfügbar. Um eine vielfältige Ernährung auch langfristig zu sichern, sind neue Obstarten von Bedeutung.

Diese neuen Obstarten sind für die Ernährung durch ihre Ursprünglichkeit interessant, unter Anderem gerade weil sie züchterisch bisher so wenig bearbeitet wurden. Einige von ihnen sind in den letzten Jahren als „Superfoods” populär geworden, wie Aronia und Kornelkirschen. Zu einigen Arten liegen bereits umfangreiche Anbauerfahrungen für unsere Breiten vor (Sanddorn, Kaki, Feigen), andere müssen noch erprobt werden (Felsenbirne, Ölweide, Filzkirsche, Granatapfel). Auch hier spielt die Solidarische Landwirtschaft eine wichtige Entwicklungsrolle: Durch die Verbrauchernähe gibt es eine enorm hohe Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen dieser Art einzulassen. Dabei wird wieder deutlich, daß die Orientierung auf Nahrungsqualität und künftige Ernährung zusätzlichen Aufwand verlangt, der für ein nachhaltiges, vorausschauendes Handeln unverzichtbar ist.

Vielfalt: Die vitale Pflanze braucht als Umgebung ein stabiles Ökosystem. Stabile Ökosysteme entstehen nur in der Vielfalt.

Deshalb werden nach Möglichkeit Pflanzen einer Sorte nicht nebeneinander gepflanzt, sondern im Wechsel mit einer anderen. Zwischen den Obstreihen wird es einen Fruchtwechsel in der Begrünung geben: Gründüngungspflanzen wechseln mit Gemüse und Getreide. Außerdem müssen Tiere in der Obstanlage ihren Platz haben: wandernde Hühnerhaltung über die Fläche, später auch Schafe und die Ansiedlung von Bienen und anderen Insekten. Die Vielfalt zum Erhalt der biologischen Stabilität ist ein eigenes Konzept, das versucht, Belebung und Ausgleich auf den Ebenen des tierischen, pflanzlichen, pilzlichen (?) Lebens herzustellen. In der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft spricht man in diesem Zusammenhang vom „Landwirtschaftlichen Organismus”. Auch aus diesem Grund wird ein Hof gebraucht. Der Betrieb muß langfristig auch noch die anderen landbaulichen Richtungen (Acker- und Gemüsebau, Tierhaltung usw.) mitsamt den zugehörigen Kollegen beherbergen können.


3. Solidarische Landwirtschaft

In der Solidarischen Landwirtschaft gibt es eine hohe Bereitschaft, neue Ideen für Ernährung und Nachhaltigkeit mitzutragen. Die entstandenen Initiativen haben einen wachsenden Bedarf an Obst. Das ist die große Möglichkeit für einen neuen Obstbau.

Die Bewegung, die wir heute als Solidarische Landwirtschaft kennen, ist außerordentlich modern. Aufgekommen in den 90er Jahren, hat sie sich kontinuierlich und seit etwa 2010 rasant entwickelt. Durch die Bindung, die Erzeuger und Verbraucher auf diesem Gebiet eingehen, entstehen Wirtschaftseinheiten, die im gesellschaftlichen Sinne nachhaltig und fair agieren, denn sie stellen die entscheidende Handlungsgröße der marktwirtschaftlichen Ordnung in einen anderen Kontext: Der Gewinn wird zwischen den Akteuren durch bestimmte Verabredungen geteilt, der Verlust ebenso. Das entscheidend Neue daran ist, daß diese Verabredungen zwischen polaren Interessengruppen zustande kommen, die sonst in der Geselllschaft immer getrennt agieren: Erzeuger und Verbraucher. Eine Solidarische Landwirtschaft ist nur dann erfolgreich, wenn beide Interessengruppen auch wirklich eine gute Einigung, den Interessenausgleich, über ihr Vorgehen erzielen. In der Solidarischen Landwirtschaft gibt es eine hohe Bereitschaft, neue Ideen für Ernährung und Nachhaltigkeit mitzutragen. Die Herausforderung ist nun, aus diesen Verhältnissen heraus dauerhafte Strukturen zu schaffen, wie sie im Obstbau nötig sind. Das Ziel ist ein gemeinschaftlich getragener Hof, der vollständig nach den Prinzipien der Solidarischen Landwirtschaft arbeitet.